Urteil: Muslimische Mädchen müssen am Schwimmunterricht teilnehmen

Dem gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen konnten muslimische Mädchen in der Schweiz bisher fernbleiben. Jetzt urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass muslimische Eltern ihre Töchter nicht wegen ihrer Religion vom Schwimmunterricht ausnehmen dürfen. Eine Schweizer Familie mit türkischen Wurzeln hatte geklagt, da sie ihren Töchtern den Schwimmunterricht mit Jungen und Mädchen verbieten wollte.

Als Begründung für das Urteil gibt der Straßburger Gerichtshof an, dass die Mädchen mit der Teilnahme vor dem sozialen Ausschluss geschützt werden sollen. Die Familie muss außerdem eine Strafe von umgerechnet 1300 Euro zahlen. In der Schweiz können muslimische Mädchen vom gemeinsamen Schwimmen ausgenommen werden, sobald sie in der Pubertät sind. Die betroffenen Töchter waren allerdings sieben und neun Jahre alt.

In Deutschland entschied das Bundesverwaltungsgericht bereits in 2013 in einem Grundsatzurteil, dass muslimischen Schülerinnen die Teilnahme am gemischten Schwimmunterricht zugemutet werden könne. Die Richter ließen muslimische Bekleidungsvorschriften als Begründung nicht gelten. Laut Bundesverwaltungsgericht überwiege der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Staates. Foto: tpsdave // Pixabay.com