Kommentar: Was Bilder auf Instagram & Co mit Realität zu tun haben

Foto: Hurk // Pixabay.com

Das wöchentliche Meeting, das Einkaufen im nächsten Supermarkt und ja, sogar unser erstes Date bekommen einen bitteren Nachgeschmack. Alles dank unseres täglichen, digitalen Begleiters, auf den wohl keiner von uns verzichten mag.
So gut wie jeder von uns hat sich schon einmal vorgenommen, das geliebte Handy beim nächsten Familientreffen in der Tasche zu lassen. Nach zwei Stunden Dauerbeschallung von Omi, die immer noch nicht versteht, warum aus dem besten Freund nicht der Freund geworden ist, ist der wohl einzigste Ausweg zu etwas „Normalität“, einmal kurz durch Instagram scrollen. Wofür? Um uns mit dem neuesten Foto der Stars aus dem Urlaub, ins nächste Gefühlstief zu stürzen.

Wie viele Artikel, Interviews mit Experten und Studien zu diesem Thema gibt es schon? Ich habe aufgehört zu zählen, aber sicher ist, auch mit den Breaking News des Tages werden wir täglich überflutet. Warum noch mit Tageszeitung auf die Arbeit marschieren, wenn uns die Nachrichten digital viel schneller erreichen? Noch viel mehr Beispiele können aufgezählt werden, doch warum nehmen wir digital alles viel ernster als im #reallife? Sollte es nicht eigentlich genau andersherum sein? Uns ist es ziemlich wichtig geworden, wie wir uns digital zum Bespiel auf einem Foto zeigen. Blogger dagegen nehmen uns sonntags im Schlabberlook zum Bäcker um die Ecke mit – (mit Snapchat) weil sie das immer so machen, oder weil es Leute, wie Du und ich eben genau so sehen wollen. Denn da sieht es wirklich so aus. Es wird immer schwieriger zu unterscheiden, was da wirklich echt ist.

Was mich aufschrecken lässt: die Fans steigen auch schon auf diesen Perfektionszug auf und verändern sich für ihre Idole. Egal ob Schauspieler, YouTube Star oder Musiker. Bei den Eltern um 100 Euro gefragt, um den neuen Merch Sweater zu bestellen – denn nur wenn man den hat, gehört man dazu. Dann gehört man zu einer Person, die durch Internet so „nah“ wirkt, aber doch so anders ist. Die Enttäuschung ist mindestens genau so groß, wie die Einsicht „der war gar nicht so toll, mehr oder weniger sogar ein Idiot“, wenn der Manager bei der Autogrammstunde genau dann Stop sagt, wenn Du an der Reihe gewesen wärst. Früher war es zumindest in dieser Hinsicht leichter, so ganz ohne Handy.

Mittlerweile bin ich aus der Phase ja so gut wie raus und das echt schon lange. Aber als ich klein war, fand ich auch so einige Jungs ganz süß und hab meiner Mama ein Liebesgeständnis diktiert, was sie dann zu Blatt bringen sollte. Zu dieser Zeit gab es noch kein Instagram und wir konnten nur der CD lauschen und uns die BRAVO Plakate an die Zimmertür hängen. Das war toll, aber irgendwie noch anders. Ich finde, es war persönlicher als heute. Wer macht das schon noch, Plakate aus der Zeitung sammeln. Heutzutage wird mal schnell der Name gegoogelt und die Fotoauswahl ist riesengroß. 

Den Ausweg aus Social Media wird wohl keiner mehr schaffen, da alles immer digitaler wird. Aber das in Erinnerungen schwelgen mit den Deutschheft aus der ersten Klasse und den alten Fotobüchern von Oma und Opa, sollte sich keiner entgehen lassen. Genau in diesen Momenten vergessen wir nämlich den Drang nach dem digitalen Ich.