Amnesty Direktorin in Türkei verhaftet

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In der Türkei werden jetzt nicht mehr nur Journalisten verhaftet, sondern auch diejenigen, die sich für deren Freilassung einsetzen.

Am 5. Juli hat die Istanbuler Polizei einen IT-Workshop für Menschenrechtler gestürmt und zehn Personen festgenommen. Darunter waren die Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International Idil Eser sowie sieben Menschenrechtsanwälte. Auch ein Schwede und ein Deutscher wurden inhaftiert.
Ihnen allen wird vorgeworfen, einer bewaffneten terroristischen Organisation anzugehören.

Ihre Chancen darauf, schnell wieder freizukommen, stehen schlecht. Ein türkisches Gericht hat den Polizeigewahrsam vorerst bis zum 19. Juli verlängert. Danach wird entschieden, ob die Aktivisten anschließend in Untersuchungshaft kommen. Die kann nach türkischem Recht bis zu fünf Jahre dauern.
Das, was Idil Eser nun droht, ist für ihren Kollegen Taner Kilic schon Realität. Der Vorsitzende von Amnesty International in der Türkei sitzt seit dem 6. Juni diesen Jahres in U-Haft. Den türkischen Behörden zufolge soll er Teil der Gülen-Bewegung sein; der Organisation, die laut Erdogan den Militärputsch im vergangenen Jahr angestiftet haben soll.

Die unabhängige Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat weltweit aktive Mitglieder. In der Türkei ist es jedoch besonders riskant, für Menschenrechte und die Freilassung politischer Gefangener zu protestieren.
Dort hat Präsident Erdogan nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 den Notstand ausgerufen. Das macht es für ihn deutlich einfacher, Menschen in Untersuchungshaft zu bringen. Seitdem wurden schon über 100 Journalisten verhaftet. Weil Amnesty demonstriert und Unterschriften für ihre Freilassung sammelt, wurde die Organisation nun selbst zur Zielscheibe.