Hintergründe zum Mord an Jamal Khashoggi

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Der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi ging am 2. Oktober in das saudische Konsulat in Istanbul, um Papiere für seine Hochzeit zu beantragen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude auf ihn, doch er kam auch Stunden später nicht zurück.

Mittlerweile ist klar: Khashoggi wurde im Konsulat getötet. Die genauen Umstände sind aber noch nicht geklärt. Laut der türkischen Regierung habe ein 15-köpfiges Team seine Ermordung geplant und durchgeführt. Leiter des Teams soll ein guter Bekannter vom saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman sein. Die türkische Zeitung Yeni Safak schreibt, die Täter hätten Khashoggi nach und nach seine Finger abgeschnitten und ihn anschließend enthauptet. Beweisen soll das angeblich eine Audioaufnahme aus dem Konsulat. Außerdem sollen in einem Konsulatsfahrzeug persönliche Gegenstände Khashoggis gefunden worden sein.

Die saudische Regierung hat Khashoggis Tod anfangs noch abgestritten. Mittlerweile hat die Regierung seinen Tod bestätigt, behauptet allerdings Khashoggi sei nicht gefoltert, sondern bei einer Prügelei im Konsulat getötet worden. Die saudischen Behörden haben 18 Verdächtige festgenommen. Unter ihnen sind laut türkischen Ermittlern die Mitglieder der Tätergruppe, deshalb fordert Erdogan die Auslieferung an die Türkei. Khashoggis Leiche wurde noch nicht gefunden.

Der 59-jährige Journalist hat im Laufe seiner Karriere Kontakt zu Demokraten, zum Königshaus aber auch zu Islamisten gehabt. Er führte mehrere Interviews mit Osama bin Laden, bevor dieser Al-Kaida-Anführer wurde. Später war Khashoggi sogar kurz Berater des saudischen Königshauses und danach schrieb er für zahlreiche Medien. Oft waren seine Artikel dem saudi-arabischen Königshaus und der Regierung gegenüber sehr kritisch. 2015 wurde Salman bin Abd-al-Aziz König von Saudi-Arabien und sein Sohn Mohammed bin Salman damit Kronprinz. Diesen kritisierte Khashoggi scharf, denn der Prinz schränke die Presse- und Meinungsfreiheit im Land stark ein. Aus Angst vor einer Festnahme ist Khashoggi in die USA geflohen und hat dort für die Washington Post geschrieben.

Seine plötzliche Ermordung hat auch politische Folgen: Saudi Arabiens Erklärung glauben die meisten Politiker nicht. Die deutsche Regierung stoppt die Waffenexporte nach Saudi-Arabien, obwohl das Land der zweitgrößte Kunde von Deutschlands Rüstungsindustrie ist. Spanien und Frankreich hingegen wollen auch weiterhin Waffen an Saudi Arabien verkaufen. Insgesamt steigt der Druck auf Saudi Arabien, denn auch US Präsident Donald Trump hält eine Beteiligung des saudischen Kronprinzen mittlerweile für möglich. Saudi Arabien hat also mit internationalen Sanktionen zu rechnen.