Warsteiner Montgolfiade: Zwischen Luftfeen und Wolkenprinzessinnen

In Warstein fand jetzt die 29. Warsteiner Internationale Montgolfiade statt. Also das größte jährlich stattfindende Ballonfestival Europas. Bis zu 250 Heißluftballone waren in der Zeit vom 30.8. bis zum 07.09. dort. Uns hat der Blick von unten aber nicht ausgereicht, daher ist Hitwave Reporterin Madeleine Luhmann für euch in einem Heißluftballon mitgefahren.

Beim Ballon fahren gibt es besonders zwei wichtige Regeln. Es heißt Ballon „fahren“, nicht „fliegen“ und wenn das Wetter nicht passt, dann wird nicht gestartet. Doch bei mir hat alles gepasst. Kein Regen, nicht zu viel oder zu wenig Wind, klarer Himmel, also konnte es losgehen. Doch bis zum Start ist es eine ganze Menge Arbeit. Nicht ohne Grund gilt Ballonfahren als Sport. Bevor es los gehen kann, muss der Anhänger entladen werden. Darin sind Korb, Brenner, Gasflaschen, Ventilator und ganz wichtig, die Ballonhülle verstaut. Allein die Hülle wiegt bei einem Standard-Ballon knapp 130kg und besteht aus gut 1000qm Stoff. Sonderformen wiegen schon einmal das dreifache. Als Erstes wird der Korb mit den Gasflaschen bestückt und der Brenner wird oberhalb des Korbes angebracht. Die Hülle wird großflächig auf der Wiese ausgebreitet und zurechtgelegt. Danach wird der Korb umgekippt und über Karabiner und Stahlseile mit der Hülle verbunden. Nun kommt der Ventilator ins Spiel. Er ist dafür da, Luft in die Hülle zu blasen, die daraufhin mit dem Brenner auf gut 80 Grad erhitzt wird. Durch die warme Luft steigt die Hülle auf.

Beim Aufbau eines Ballons ist absolutes Teamwork gefragt. Ein Ballonteam besteht daher in der Regel auch aus mindestens 5 Personen. Diese halten die Hülle auf, damit die Luft einströmen kann, betätigen den Ventilator und den Brenner und halten den Korb am Boden, damit er nicht bereits ohne Passagiere in die Luft geht. Sobald die Hülle steht, können die Passagiere zu dem Piloten in den Korb steigen.

Mit gerade einmal vier Insassen ging es dann schnell nach oben in die Lüfte. Die Bodencrew rief uns noch „Glück ab und gut Land“ hinterher, das Motto der Ballöner, das eine gute Fahrt und Landung wünscht. Sowohl beim Start, als auch bei der späteren Landung mussten wir uns gut an Schlaufen innerhalb des Korbes festhalten, da beides ziemlich holprig werden kann. Als wir die gewünschte Höhe erreicht hatten, konnten wir die Schlaufen loslassen und uns frei im Korb bewegen. Dieser wird ganz sanft vom Wind getragen. Es ist daher auch nicht kalt, da sich alles gemeinsam mit dem Wind bewegt. Dieser bestimmt auch die Richtung in die sich der Ballon bewegt, präzises Steuern ist nicht möglich. Nur die Höhe kann der Pilot wählen. Wir befanden uns in ca. 1100m Höhe zwischen 121 anderen Ballonen, die sich auf verschiedene Höhen und Richtungen verteilt hatten. Und obwohl sich so viele Ballone am Himmel aufhielten, war die Fahrt sehr ruhig. Nur der zwischendurch betätigte Brenner und gelegentliche Funksprüche der anderen Ballöner waren zu hören.

Doch nun zum eigentlichen Highlight. Der Ausblick auf die Landschaft und die vielen anderen Ballonhüllen war unglaublich. Egal in welche Richtung ich geschaut habe, ich war umgeben von Ballonen. Als dann noch die Sonne anfing unterzugehen, wurde alles noch einmal in ein besonders schönes Licht getaucht. Dort oben zu sein, nur in einem Korb, umgeben von Ballonhüllen und Sonnenstrahlen, war für mich einer der atemberaubendsten Momente in meinem Leben.

Nach gut einer Stunde neigte sich das Gas in den vier Flaschen dem Ende zu und der Pilot suchte sich eine geeignete Wiese zum Landen. Dabei streifte der Korb noch eine Baumspitze. Unsere Balloncrew war bereits mit dem Verfolgerfahrzeug zum angepeilten Acker gefahren. Als der Korb den Boden berührte, gab es einen großen Ruck und alles kippte zur Seite. Nach einem kurzen Schreckmoment richtete sich der Korb aber wieder auf und wir sind stehend gelandet. Die Bodencrew kam sofort, um uns zu empfangen. Nach und nach durften wir den Korb verlassen, doch damit dieser nicht wieder aufsteigt, mussten wir uns noch von außen daran festhalten.

Die Hülle wurde entleert, der Korb gekippt und mit einer gedrehten Metallstange wurde die Hülle von der restlichen Luft befreit. Mit großen Klettverschlüssen wurde die Hülle zusammengedrückt und mit vereinten Kräften wurde alles zurück in die dazugehörigen Taschen gequetscht. Natürlich mussten Korb, Brenner, Gasflaschen und Hülle danach zurück in den Anhänger. Als alles dann wieder sicher verstaut war, konnte man nur noch die letzten Sonnenstrahlen hinter den Bäumen erkennen.

Wer wie ich zum ersten Mal Ballon gefahren ist, wird nach der Landung noch getauft und damit in den Adelsstand der Ballöner berufen. Jeder Täufling bekommt eine Urkunde mit einem absurd langen Namen und muss eine Haarsträhne opfern. Diese wird angezündet und mit einem Schluck Bier wieder gelöscht. Meine Wenigkeit trägt ab sofort den Namen: „Madeleine Luftfee auf der Reise über Kuhwiesen und Ländereien gefahren und vor den Windrädern stoppelig gelandet“. Wer getauft wurde, muss innerhalb von 24 Stunden seinen Adelstitel auswendig aufsagen können, wird man nach seinem Titel gefragt und verspricht sich, muss eine Runde geschmissen werden. Das gleiche gilt für das Vertauschen von „fahren“ und „fliegen“. Mit dem Verfolgerfahrzeug wird man anschließend zurück zum Flugplatz gebracht.

Für mich persönlich war die Ballonfahrt ein unvergleichliches Erlebnis und ich kann es jedem, der darüber nachdenkt, nur ausdrücklich empfehlen. Höhenangst sollte man allerdings keine haben.

Die Kosten dafür liegen bei 199€ pro Person.