Coronabi 2020: Meine Eindrücke aus einer besonderen Zeit

Foto: Privat

Das Coronavirus ist seit Beginn des Jahres weltweit das beherrschende Thema. Sei es nun auf der Arbeit, im Alltag oder auch im eigenen Familienkreis. Das Virus hat in den vergangenen Monaten so manche routinierte Lebensweise durcheinander gebracht und hat fast jeden Menschen in irgendeiner Weise eingeschränkt. Doch die Pandemie hat nicht nur die Arbeitswelt beeinflusst, sondern auch die Schulen. Unsere Reporterin Madita Ehm hat in dieser Zeit ihr Abitur gemacht und blickt zurück auf ihren „Abi-Corona-Alltag“ und wie es ist, während einer Pandemie das Abitur zu schreiben.

Vor fast drei Monaten, hatte sich unsere ganze Stufe auf die bevorstehende ,,Mottowoche“, den ,,Abstreich“ und die Verabschiedung von den Lehrern gefreut. Wie viele andere Schulen auch, hatten wir alles vorbereitet, Kostüme für die Mottowoche besorgt und uns schon mental auf die kommenden Partys eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch nicht wirklich darüber nachgedacht, dass dies alles nicht stattfinden könnte. Zwei Wochen vor den Osterferien gab es dann am 27. März die Schreckensbotschaft für viele Schüler – „Schulschließung bis nach den Osterferien, für alle Stufen“. 

Der Schock saß natürlich tief bei uns, nicht nur da wir uns auf die Partys gefreut hatten oder weil wir schon Geld für Kostüme und Deko ausgegeben hatten. Sondern auch, weil uns erst da richtig bewusst wurde, wie ernst die Lage wirklich war. Besonders blöd für uns, die Nachricht zur Schulschließung kam am Nachmittag. Von einer Verabschiedung von unseren Lehrern, die uns jahrelang begleitet hatten, war nun also auch nicht mehr die Rede.

Die Situation überforderte natürlich nicht nur uns, sondern auch unsere Schule. Es musste über das Wochenende ein Ersatzplan bis nach den Osterferien erstellt werden, für uns und natürlich auch die anderen Stufen. Wir hatten das Glück, über die gesamte Zeit sehr gut von unserer Schule betreut worden zu sein, dies erforderte aber natürlich gute Zusammenarbeit mit den Lehrern, der Schulleitung, den Eltern und uns Schülern.

Während sich also nun die Klassen unter uns vorerst über „Corona-Ferien“ freuten, mussten wir, der Abi-Jahrgang, uns schnell mit der neuen Situation arrangieren. Was sich im Endeffekt nicht immer als einfach erwies. Ich fing an, meinen vorbereiteten Lernplan auf vier Wochen zu strecken, gut für mich dachte ich, habe ich ja mehr Zeit zum Lernen. Meine Motivation war zu diesem Zeitpunkt noch sehr hoch. Trotz der verpassten Partys hatte man ja zwei Wochen früher frei, da kann man ja auch mal entspannen.

Meine Motivation und Antriebskraft sank jedoch so schnell, wie sie auch gekommen war. Ein geregelter Schlafrhythmus war schon nach der ersten Woche bei mir nicht mehr vorhanden. Zu groß war die Versuchung von Netflix und Co. Nach einer weiteren Woche wurde dann ebenfalls Online-Unterricht für die Jüngeren eingeführt und schon kam es nach nicht mal zwei Tagen zum Krieg um den Laptop und das WLAN. Während meine Mutter am Laptop Büroarbeit machen musste, hatte mein 12-jähriger Bruder eine ,,ZOOM-Konferenz“ mit seiner Klasse  und ich musste eigentlich nach fünf verschiedenen Lektüren googeln. Wie man sich denkt, kam es öfters zum Streit um Elektronik.

Doch nicht nur die Elektronik belastete das Lernen von zu Hause, sondern auch der Lockdown und die immer wieder ungenauen Angaben der Bildungsministerin Yvonne Gebauer und dem Ministerpräsidenten Armin Laschet ließ meine und auch die Motivation meiner Mitschüler immer weiter sinken. Keiner wusste genau, was nach den Ferien passieren solle und ob wirklich die Abi-Klausuren geschrieben werden.

Im Endeffekt hieß es dann nach mehreren Besprechungen und Tagungen: Die Abi-Termine werden drei Wochen nach hinten verschoben und das Abitur wird geschrieben. Ab da musste ich alles aufholen, was ich in der letzten Zeit verpasst hatte. Jeden Tag musste ich mich neu motivieren, früh genug aufzustehen und mich den Tag über an den Schreibtisch zu setzen, um zu lernen. Der „innere Schweinehund“ wurde bei vielen von uns jeden Tag aufs Neue bekämpft, doch nach drei harten Wochen standen endlich die Klausuren vor der Tür.

Mit Berücksichtigung der strengen Hygienevorschriften und nur mit Masken durften wir das Schulgebäude betreten und die Klausuren schreiben. Das hieß für viele und mich zum ersten Mal in unserem Leben eine saubere Schultoilette mit Papiertüchern, ausreichend Seife und Toilettenpapier erblicken zu dürfen. Absoluter Luxus in unseren Augen, da wir so eine Rarität in zwölf Jahren Schule nicht erleben durften. Trotz Abstandsregelung ließ ich es mir nicht nehmen, vor den Abi-Prüfungen mit meinen Freunden von unserem Platz aus über unsere vergangenen Wochen zu plaudern. Man darf nicht vergessen, vor der Schulschließung hatte man sich jeden Tag für mehrere Stunden gesehen, doch danach für fast sechs Wochen nicht mehr. Viel zu bereden gab es jedoch nicht, da alle den selben tristen Alltag erlebt hatten.

Die nächsten Wochen schrieben wir unsere Klausuren und hatten unsere mündliche Prüfungen. An dem Tag, als wir dann endlich unsere Noten bekamen, fühlten wir uns alle doch etwas traurig. Man hatte sich ja das Abi so komplett anders vorgestellt, als es nun gekommen war. Auch der „Abi-Ball“ fiel für uns aus. Der Abend, an dem wir uns und unsere bestandenes Abitur feiern sollten. Zum Glück unserer Stufe hat es unsere Stufenleitung dennoch geschafft, eine feierliche Zeugnisvergabe in dem Park unserer Stadt einzurichten. Wir konnten unsere Kleider tragen und einigen unserer Lehrer „Auf Wiedersehen“ sagen. Es war natürlich kein Ersatz, aber trotzdem einmalig.

Wenn ich also nun zurück schaue, kann ich sagen, dass dieser Abi-Jahrgang alles andere als gewöhnlich ist. Auch, wenn wir keine Partys hatten und den typischen Ablauf, so hatten wir doch eine unvergessliche Zeit mit Höhen und Tiefen. Unser Jahrgang hat es geschafft, während einer globalen Pandemie das Abitur zu schaffen und gleichzeitig sich, ihre Familie und natürlich auch die Bevölkerung zu schützen. Dieses Durchhaltevermögen wird bestimmt gut bei unserem späteren Arbeitgeber ankommen. Auch den Abi-Jahrgängen nach uns wünsche ich alles Gute, wir haben unser Abi geschafft, dann schafft ihr es auch bestimmt.