Während der Pandemie ist das Arbeiten von zu Hause aus eine wichtige Maßnahme, um die Infektionszahlen zu drücken. Doch viele Arbeitgeber fürchten um die Produktivität ihrer Beschäftigten. Aktuell ist nur jeder vierte Beschäftigte nicht an seinem Arbeitsplatz. Manche Chefs schrecken zum Beispiel vor den strengen Bestimmungen zurück. So muss laut Gesetz unter anderem geregelt sein, dass die Arbeitnehmer zu Hause eine Lichtquelle haben, die hell genug ist oder einen Stuhl, der keine Rückenprobleme verursacht. Auch ein Tisch in angemessener Höhe und eine technische Ausstattung muss der Arbeitgeber theoretisch garantieren können. Die bürokratischen Hürden sind also hoch.

Arbeitsminister Hubertus Heil will das Problem nun beheben. Er kehrt durch ein neues Gesetz das Ganze um: Nun müssen Arbeitgeber nicht mehr feststellen, ob Homeoffice möglich ist, sondern ob es Gründe gibt, wieso dies nicht der Fall ist. Prinzipiell müssen also alle Arbeitnehmer ins Home Office, die von zu Hause aus arbeiten können.

Doch was ist, wenn die Beschäftigten das gar nicht wollen? Zum Beispiel weil dann andere Regelungen gelten, was die Versicherung betrifft oder weil zu Hause einfach zu viel Lärm ist? Prinzipiell kann ein Arbeitgeber niemanden zwingen, von zu Hause aus zu arbeiten. Dazu müsste erst der Arbeitsvertrag um eine Klausel erweitert werden und das würde wieder mehr Bürokratie bedeuten, die es gerade jetzt zu verhindern gilt.

Wie man zu Hause ein Betriebsklima herstellen kann, welches das Home-Office für die Beschäftigten attraktiv macht, zeigte kürzlich ein Bonner Unternehmen. Der Vorstand beschloss, allen Beschäftigten Kaffeepulver zukommen zu lassen, welches sonst in der Büroküche steht. Damit solle ,,das Kaffeepausenfeeling nach Hause geholt werden“, so der Unternehmensleiter. Ähnlich handhaben es auch einige Firmen in den USA, die ihren Beschäftigten das Essen aus der Cafeteria gratis zur Mittagszeit nach Hause liefern, sodass sie nicht selbst kochen mussten. Manche packten sogar noch ein paar Portionen dazu, damit auch die Kinder versorgt sind. Um diese dreht sich auch eine Initiative aus Kanada. Die Chefin eines großen Konzerns beschäftigte die kleinen Kinder ihrer Mitarbeiter höchstpersönlich einige Stunden lang in einem virtuellen Zoom-Meeting durch spannende Geschichten und lustige Mitmach-Spiele.

Es ist also möglich, wenn auch mit viel Kreativität: das Arbeiten in den eigenen vier Wänden. Ob sich das Homeoffice allerdings in der Zukunft durchsetzen kann, wenn die Pandemie ein Ende gefunden hat, mag noch niemand sagen. Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Arbeitsweg, die Jogginghose am Arbeitsplatz und bewegliche Pausen. Die Zeit mit den Kollegen und den persönlichen Austausch kann es aber nicht ersetzen.