Mittlerweile sind wir ein Jahr lang mittendrin in der Pandemie und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine kritische Bilanz gezogen. Es seien in Deutschland Schwachstellen und Stärken sichtbar geworden, sagte sie am Dienstag beim Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums. Die Tagung ersetzt das jährliche Treffen in Davos. In Deutschland habe man sehr auf den Gemeinsinn und den Einsatz von Bürgern bauen können. Ein gutes Fundament seien die soliden Finanzen gewesen. So habe man Unternehmen und Bürgern helfen können, fügte Merkel hinzu.

Kritisch äußerte sie sich zur Geschwindigkeit von Prozessen in Deutschland: “Die Schnelligkeit unseres Handelns lässt sehr zu wünschen übrig.” Prozesse seien oft sehr bürokratisch geworden und dauerten lange. Da habe man nachzuarbeiten. “Wo wir nicht gut aussahen, das zeigt sich bis in die heutigen Tage, das ist der Mangel an Digitalisierung unserer Gesellschaft.” Merkel nannte als Beispiele die mangelnde Vernetzung der Gesundheitsämter, der Verwaltung und des Bildungssystems.

Auch Reisen ins Ausland kritisierte die Bundeskanzlerin. Weihnachten seien jeden Tag 50.000 Menschen auf die Kanaren und die Malediven geflogen. “Warum können wir die Reisen nicht verbieten?”, soll die Regierungschefin gefragt haben. Man müsse “den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt”, sagte Merkel nach Angaben von Zuhörern der Schalte.

In der vergangenen Woche hatte Merkel gemeinsam mit Bund und Ländern unter anderem wegen möglicher Folgen einer Verbreitung der Mutation beschlossen, den bis Ende Januar vorgesehenen Lockdown bis zum 14. Februar zu verlängern.