„Wie die Zeit vergeht…“ – wer hat diesen Satz nicht schon mal gesagt oder gehört? Und im vergangenen Jahr ging es sogar wirklich ein bisschen flotter. Denn 2020 drehte sich die Erde an einigen Tagen schneller als sonst. Insgesamt waren 153 Tage kürzer – wenn auch nur um Millisekunden. Am 19. Juni fehlten uns satte 1,46 Millisekunden zu den sonst üblichen 86.400 Sekunden, die ein Tag zählt. Das berichtet die Website timeanddate.com.

Dr. Robert Heinkelmann vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam sagte, dass die Erdrotation in einem besonderen Messverfahren bestimmt wird, darunter der „Very Long Baseline Interferometry“. Mit mehreren Radioteleskopen werden Objekte ausgewählt, die bis zu zehn Milliarden Lichtjahre entfernt sein können und so als ,Fixpunkte‘ bei der Messung dienen, so Heinkelmann weiter. Doch diese ermittelte Zeitskala birgt Ungenauigkeiten, da das System der Erde selbst verschiedenen Einflüssen ausgesetzt ist, die die Rotation beeinflussen. Wenn die aktuelle Anomalie in der Form anhält, wird der Internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme wohl zum ersten Mal in der Geschichte eine negative Schaltsekunde einführen, damit komplexe Apparaturen wie Satelliten, Kommunikations- und Navigationssyteme wie GPS im Auto oder in Flugzeugen genutzte Systeme weiterhin korrekt anzeigen.

Die Forscher gehen davon aus, dass auch 2021 ein „schnelleres“ Jahr werden könnte. Was allerdings die genauen Gründe für die schnellere Erdrotation sind, sei noch nicht klar: „Der Klimawandel mit dem Abschmelzen der Eismassen könnte eine Rolle spielen. Möglich wäre auch das Phänomen der Polschwankung – bei der sich die Erdachse verlagert und die langfristig dazu führen wird, dass sich der Rotationspunkt der Erde verschiebt.“