Wer heute noch WhatsApp nutzt, der hat vor einigen Tagen ziemlich sicher die neuen Datenschutzbedingungen akzeptiert. Sie ermöglichen es Facebook, Daten von WhatsApp mit anderen Unternehmen des Konzerns oder Werbepartnern zu teilen. Marc Zuckerberg hatte diesen Schritt bei der Übernahme 2014 noch ausdrücklich ausgeschlossen. Viele bezeichnen die neuen Nutzungsbedingungen daher als ,,Verrat“ und suchen sich neue Plattformen, um zu chatten.

Sogar berühmte Personen wie Elon Musk rufen öffentlich zum Boykott des Messengers auf und empfehlen stattdessen Signal. Diese Anwendung ist im Gegensatz zu der ebenfalls beliebten Alternative Threema sogar kostenfrei. Beide verfügen über eine automatische Verschlüsselung der Daten, welche bei der Plattform Telegram komplett fehlt. Erstaunlicherweise wandern dennoch viele Nutzer zu diesem Dienst über. Auch die zuletzt bekannt gewordene Tatsache, dass sich immer mehr rechtsextreme Personen hier vernetzen, scheint dem Image des Dienstes wenig geschadet zu haben. Das Unternehmen kommt nach eigenen Angaben den gestiegenen Anfragen kaum hinterher. Doch was verbirgt sich hinter ,,Telegram“? Das Programm wurde von zwei russischen Entwicklern geschrieben und von Mitarbeitern in Dubai weiter entwickelt. Telegram gibt jedoch den Standort seiner Server nicht öffentlich an. Andere Dienste sind da transparenter. Bei Threema handelt es sich zum Beispiel um einen schweizerischen Dienst. Die Tatsache, dass dieser einmalig ein wenig Geld kostet, spricht laut Experten für den Dienst. So wird sichergestellt, dass das Unternehmen sich nicht durch die Weitergabe von Daten finanziert. Bei Signal muss zwar keine Gebühr bezahlt werden – da es sich aber um eine gemeinnützige Stiftung handelt, ist auch sie finanziell unabhängig vom Datenverkauf.

Experten warnen aber trotz dieser Argumente vor überstürzten Aktionen. Die Folgen eines plötzlichen Nutzeranstiegs offenbaren in der Regel Sicherheitslücken, die jetzt noch keiner kennt. So war es am Anfang der Pandemie auch bei der Videoplattform ,,Zoom“, als sich viele Nutzer zum Spaß gezielt in fremde Videokonferenzen einwählten. Sogar das neue Wort ,,Zoombooming“ entstand in diesem Kontext. Es wird also auch bei Alternativen zu WhatsApp Startschwierigkeiten geben. Welche Anwendung sich am Ende durchsetzt, wird sowohl von diesen Schwierigkeiten abhängen, aber auch zum großen Teil davon, wo die meisten der eigenen Freunde sind. Mit diesen zu kommunizieren, ist in Pandemiezeiten schließlich das oberste Ziel aller Nutzer.