Das Superwahljahr 2021 ist gestartet. Wahlkampf auf den Straßen wird es nicht geben, stattdessen aber Duelle im Internet. Wird die nächste Bundestagswahl jetzt auf Instagram entschieden? Möglich, sagen Experten, denn immer mehr Politiker setzten ihr Augenmerk auf die Internetkommunikation.

Wie man das nicht machen sollte, zeigte zuletzt Ministerpräsident Bodo Ramelow, der nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern einen Tweet veröffentlichte, der aus ausschließlich aus dem Buchstaben ,,Ä“  bestand, der gefühlt 100 mal aufeinander folgte. Besonders brisant war die Aktion auch deshalb, weil er zuvor bei einer wichtigen Beschlussrunde Candy-Crush spielte. Schon hier wurde klar: Das Internet hilft ihm nicht dabei, beliebt zu werden. Besser macht es da Ruprecht Polenz von der CDU, der sogar für seine Twitter-Nutzung bereits mit dem Preis ,,der Goldene Blogger“ ausgezeichnet wurde. Ein Tweet in jeder Lebenslage und eine schlagfertige Antwort auf andere Meinungen machen ihn für die Community sympatisch. Das Internet besteht aber nicht nur aus dem politischen Twitter. Auch auf Instagram wird jetzt Politik gemacht.

Zu den beliebtesten Politikern gehört hier neben Angela Merkel auch Martin Sonneborn. Er liegt mit 287.000 Followern sogar vor Markus Söder. Und das, obwohl Sonneborn, anders als Markus Söder, keine Selfies beim Fahrradfahren oder beim Brezel Essen postet, sondern politische Forderungen gepaart mit Satire ins Netz stellt. Ist das ein Rezept, um auf Social Media erfolgreich zu sein? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Christian Lindner von der FDP beispielsweise verzeichnet riesige Follower-Zuwächse ganz ohne Satire. Er setzt auf Bilder von sich selbst und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner postet gerne mal Selbstgekochtes.

In Studien wird gerne zwischen drei Typen von Politikern gesprochen. Zur Gruppe eins, den progressiven Anwendern, gehören all jene, die viel posten und dazu noch mit abwechslungsreichen Inhalten. Das wird mit vielen Followern belohnt. Gruppe zwei sind die sogenannten ,,Inbetweeners“, die zwar posten, aber damit nur wenig Aufmerksamkeit erreichen. Ganz hinten stehen dann die Digital Natives, von denen es zwar Profile, aber häufig nur den immer gleichen Post einmal im Monat gibt. Das reicht nicht, um ein Influencer zu werden!

Aber verfassen die Politiker ihre Postings eigentlich selbst? Dass Angela Merkel abends Instagram Bilder bearbeitet, glaubt wohl niemand. Dennoch antworten wichtige Politiker in Interviews häufig, dass sie zumindest die Idee der Postings selbst entwickeln und sie final absegnen. Wir sehen auf Facebook und co. also tatsächlich Politiker und nicht nur Social-Media Berater. Hätten die das Steuer in der Hand, würden Posts wie der von Bodo Ramelow sicher nicht das Internet schmücken.

Foto: Merkel