Eigentlich sollten in der letzten Woche viele erwartete Lieferungen – vor allem mit Technik – in Europa ankommen, allerdings sind einige immer noch nicht da. Ein Grund dafür könnte der Stau im Suezkanal sein. Denn vor gut einer Woche ist dort das Schiff Ever Given wieder freigekommen. Trotzdem ist weiterhin ein Stau vor der Einfahrt in den Suezkanal.

Christian Denso vom Verband Deutscher Reeder erklärt, wie ein normaler Tag im Suezkanal abläuft. Man sammelt sich am Abend und fährt gegen vier Uhr nachts im Konvoi in den Kanal: Die schnellsten und größten Schiffe vorneweg. Die Fahrt durch den 193 Kilometer langen und rund 300 Meter breiten Kanal dauert dann etwa zwölf Stunden. Pro Tag fahren normalerweise 50 Schiffe durch den Kanal. Rechnet man die 50 Schiffe auf alle wartenden hoch, dauert das etwa 1 – 2 Wochen.

Da viele der Schiffe nicht mehr warten wollen, nutzen einige Schiffe den langen Weg um Afrika herum. Trotzdem dauert diese Tour sechs bis zehn Tage länger, die Schiffe verbrauchen mehr Brennstoff, deswegen sei die Route nur dann wirtschaftlich, wenn die Spritkosten unter der Kanalgebühr liegen.

Trotzdem ist es auch wenn alle Schiffe durch sind noch nicht vorbei mit Staus und Komplikationen, denn dann kommen alle Schiffe gleichzeitig in den Häfen an und es kommt zum Ketchup-Flaschen-Effekt: Zuerst kommt gar nichts, dann viel zu viel auf einmal. In Hamburg stellen solche Containerschiffe ca. 3000 Container auf den Kai. Ein Zug schafft da maximal 80 Container auf einmal weg. Deswegen warnen Experten vor Stau in den Häfen, die in Nordeuropa ohnehin schon sehr voll seien. Diese Situation werde sich nun weiter verschärfen – aber nicht alle Firmen gleich stark treffen.

Foto: Nico Nölken