Du interessierst dich für Medien, Politik und möchtest wissen, wie Journalisten und Politiker wirklich arbeiten? Bei der Hitwave Medienreise vom 29.03.-02.04.2026 haben wir uns intensiv mit diesen Themen beschäftigt! Gemeinsam mit anderen Jugendlichen aus Hamm haben wir spannende Orte wie RTL, 1LIVE, radioNRW und den Landtag NRW in Düsseldorf besucht. Wir berichten auf dieser Seite über unsere Reise.
Besuch bei Radio NRW in Oberhausen
Wie kommt eigentlich das Radioprogramm zustande, das täglich im Hintergrund läuft? Um das besser zu verstehen, haben wir uns mit den Abläufen bei radio NRW beschäftigt. Der Mantelprogrammanbieter für alle Lokalsender in Nordrhein-Westfalen kümmert sich um Programminhalte, Nachrichten und die Musik der 45 Lokalstationen. Dabei zeigt sich schnell: Das, was im Radio so selbstverständlich klingt, ist das Ergebnis vieler einzelner Arbeitsschritte. Ein zentraler Punkt ist die Arbeit der Redaktion. Bevor eine Nachricht gesendet wird, wird sie genau überprüft und aus mehreren Quellen abgesichert. Fehler sollen so vermieden werden. Gerade weil sich Informationen heute extrem schnell verbreiten, ist diese Genauigkeit besonders wichtig. Die Journalistinnen und Journalisten nutzen dafür sowohl moderne Technik als auch klassische Recherchewege.
Eine Besonderheit von radio NRW ist die Zusammenarbeit mit vielen Lokalradios. Der Sender liefert Inhalte, die von zahlreichen Stationen in Nordrhein-Westfalen übernommen werden. Gleichzeitig produzieren die einzelnen Sender eigene Beiträge aus ihrer Region. Dadurch entsteht ein Programm, das sowohl lokale als auch überregionale Themen abdeckt. Auch im technischen Bereich läuft vieles im Hintergrund ab. Am Standort in Oberhausen wird das Programm gesteuert und verteilt. Verschiedene Systeme sorgen dafür, dass alles ohne Unterbrechung funktioniert. Sollte es Probleme geben, stehen Ersatzlösungen bereit, damit die Ausstrahlung weiterläuft.
Die Musik im Programm wird nicht zufällig ausgewählt. Stattdessen wird analysiert, welche Songs bei den Hörern gut ankommen. Auf dieser Grundlage wird eine Mischung erstellt, die möglichst viele anspricht. So bleibt das Programm für ein breites Publikum interessant. Neben Musik gibt es weitere feste Bestandteile: Nachrichten, Serviceinformationen und unterhaltende Inhalte gehören ebenfalls dazu. Insgesamt wird deutlich, dass hinter einem Radioprogramm viel Organisation und Abstimmung steckt. Viele Menschen arbeiten daran, dass alles reibungslos läuft. Das Ergebnis ist ein Programm, das täglich viele Menschen erreicht, ohne dass diese die aufwendigen Prozesse dahinter bemerken.
Besuch im Landtag NRW in Düsseldorf
Im Zuge unserer Medienreise haben wir am 30.03.26 den Nordrhein-Westfälischen Landtag in Düsseldorf besichtigt. Der Landtag ist das Parlament von NRW und der Ort, an dem die Gesetze für das Bundesland NRW beschlossen und verabschiedet werden. Darüber hinaus werden dort der Landtagspräsident sowie der Ministerpräsident und dessen Vertreter gewählt. Der Landtag kontrolliert die Arbeit der Landesregierung und ist ein Ort für öffentliche Diskussionen. Der Landtag wird auch das Haus der Bürgerinnen und Bürger genannt, dies spiegelt sich auch in seiner Architektur wider. So bilden zum Beispiel eine Bürgerhalle und eine Bücherei, als Symbol für die Gesellschaft und das Wissen, das Fundament des Plenarsaals, in dem die Entscheidungen getroffen werden.
Nach vorheriger Anmeldung ist der Landtag für alle Menschen frei zugänglich und Sitzungen der Abgeordneten können von der Besuchertribüne aus angeschaut werden. Anmelden kann man sich dafür über die Website des Landtags oder man spricht mit seinem Abgeordneten vor Ort. Jede Sitzung wird zusätzlich live aufgezeichnet und gestreamt. Um Gleichheit zu symbolisieren, befinden sich im Plenarsaal die Sitze der Landesregierung auf gleicher Höhe wie die der Abgeordneten. Einmal im Monat findet eine dreitägige Plenarsitzung statt, in der die mitgebrachten Themen der einzelnen Fraktionen besprochen werden. Um ein Thema einzubringen, müssen die Fraktionen einen Antrag stellen oder sieben Abgeordnete aus unterschiedlichen Parteien müssen zusammen ein Thema vorstellen. Darüber hinaus werden die Gesetzentwürfe der Bundesregierung besprochen oder akute Themen aus dem Weltgeschehen thematisiert. Außenstehende können keine eigenen Themen einbringen. Das Präsidium entscheidet dann, in welcher Reihenfolge die Themen besprochen werden.
Von einem Antrag bis zu einem endgültigen Gesetzentwurf vergehen in der Regel drei bis sechs Monate. Nach der Plenarsitzung werden Anträge erst durch einen Fachausschuss besprochen, zusätzlich werden Experten zu den jeweiligen Themen befragt. Besonders viele Diskussionen gibt es laut unserem Abgeordneten aus Hamm, Justus Moor (SPD), im Bereich Schule. Dabei fiel auf, dass die Schüler selbst jedoch nicht ausreichend zu den eigenen Themen einbezogen werden. Zwar hatten rund 800 Schüler die Möglichkeit, unter dem Projekt „Your Vision Schule NRW“ ihre Vorstellungen einzubringen, in den regelmäßig stattfindenden Sitzungen sind jedoch keine Schülervertreter anwesend. Justus hat uns auf unserem Rundgang durch den Landtag begleitet und uns die verschiedenen Sitzungssäle sowie den Plenarsaal und die Räumlichkeiten der Landespressekonferenz gezeigt. Dabei präsentierte er uns auch einige der über 700 Kunstwerke, die im Landtag ausgestellt sind.
In einer ausführlichen Fragerunde teilte Justus uns mit, dass der Job als Abgeordneter ganz schön stressig sein kann. So sei ihm vorher gesagt worden, dass man entweder eine Affäre am Arbeitsplatz anfängt, zum Alkoholiker wird oder jedes Jahr ein Kilo zunimmt. Justus versicherte uns, dass auf ihn Letzteres zuträfe. Im Hinblick auf die im kommenden Jahr anstehende Landtagswahl teilte Justus mit, dass er trotzdem wieder kandidieren möchte und sich dabei auch gute Chancen ausrechnet, auch wenn die Umfragewerte seiner Partei aktuell nicht so rosig aussehen. Sein Antrieb sei, die Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen und insbesondere für die Menschen in Hamm positive Veränderungen zu bewirken.
Als Politiker hat Justus in seinem Alltag auch immer wieder mit Vertretern verschiedener Medien zu tun. Da käme es immer mal wieder zu verschiedenen Blickwinkeln und er kritisierte die „Meinungsmache“, die beispielsweise von der BILD betrieben werde. Selber habe er aber noch keine negativen Erfahrungen gemacht oder sich ungerecht behandelt gefühlt. Im Anschluss an unseren Besuch im Landtag bekamen wir einen Einblick in das Landtagsstudio und durften an einem Workshop mit José Narciandi teilnehmen. Insgesamt bekamen wir einen guten Einblick, wie Politik und Medien miteinander einhergehen und voneinander profitieren.
Besuch bei 1LIVE in Köln
Im Rahmen unserer Medienreise haben wir 1Live in Köln besucht. Wir durften einen kurzen Blick in den Veranstaltungssaal werfen, in dem regelmäßig Comedians und Künstler vor kleinem Publikum auftreten, haben die Wortredaktion kennengelernt und die ungewöhnlich bunten Studios besucht. Dabei haben wir zufällig die Stationsvoice Camilla Renschke getroffen.
Die Musikredaktion hat uns einen Einblick in ihre Arbeit gegeben und uns verraten, warum die Auswahl der Songs nichts mit ihrem persönlichen Geschmack zu tun hat. Was auf 1Live gespielt wird, hängt maßgeblich von einer Gruppe Testhörer ab, die regelmäßig befragt wird. Die beliebtesten Hits werden dann bis zu 6 Mal am Tag gespielt.
Außerdem lernten wir Redakteurin Nina Kannenberg und Moderator Markus Fröhle kennen. Er ist in der Nachmittagssendung und bei 1Live Go zu hören. Beide haben den Weg über Lokalradios genommen, bevor sie zu 1Live kamen. Markus hat uns alle Fragen beantwortet und einige Tipps mit auf den Weg gegeben. Beispielsweise sollten gute Musik-Moderationen immer über Emotionen kommen. Auch wenn der Song nicht gefällt, lohnt es sich, einen persönlichen Zugang zu finden, etwa über einen besonderen Moment auf Tour, der den Moderator berührt. Denn dann wirkt die Moderation authentisch und nicht aufgesetzt. Das sei sowieso das Wichtigste: Radio aus dem eigenen Blickwinkel zu machen und sich nicht zu verstellen.
Nina machte mit uns einen Aircheck, also spielte uns ein Kollegengespräch zum Thema „Schluss machen per WhatsApp“ vor. Wir konnten dann unsere Meinungen zur Auswahl des Themas und der Präsentation abgeben. Abschließend hat Nina uns noch über die Karrieremöglichkeiten bei 1Live informiert. Wer schon Radioerfahrung hat, kann sich auf eine zweiwöchige Hospitanz bewerben und dann mit etwas Glück auf freiberuflicher Basis einsteigen. Auch Volontariate sind möglich, die Organisation übernimmt hier der WDR.
Besuch bei RTL in Köln
Wie entstehen eigentlich Nachrichten und TV-Shows, die wir jeden Tag sehen? Dieser Frage sind wir bei unserem Besuch bei RTL Deutschland in Köln nachgegangen – und haben schnell gemerkt: Hinter dem Programm steckt viel mehr, als man denkt. Schon beim Einstieg wurde klar, wie wichtig sorgfältiger Journalismus ist. Bevor etwas gesendet wird, wird alles mehrfach überprüft und verifiziert – sogar von eigenen Teams, die sich ausschließlich damit beschäftigen. Gerade in Zeiten von KI und Fake News ist das wichtiger denn je. Dabei arbeiten die Journalisten mit modernen Tools, aber auch ganz klassisch mit Recherche über Telefon oder Internet.
Besonders beeindruckend war für uns die Technik hinter den Kulissen: Insgesamt verlaufen durch das gesamte RTL-Gebäude in Köln so viele Kabel für Strom und Daten, dass sie zusammen 40-mal um den Äquator reichen würden. Damit im Notfall alles weiterläuft, gibt es riesige Notstromsysteme und sogar Dieselaggregate im Parkhaus. Auch die Studios selbst sind echte Hightech-Orte. Das Studio von Punkt 12 ist zum Beispiel „schwimmend“ gelagert, um kleinste Vibrationen, die von Schiffen auf dem Rhein ausgehen, zu vermeiden – etwas, das man als Zuschauer nie bemerkt. Gleichzeitig laufen im Hintergrund riesige Server, auf denen täglich hunderte Stunden Videomaterial verarbeitet werden.
Spannend fanden wir auch, wie viel mit Archivmaterial gearbeitet wird: Rund 95 % der Inhalte stammen aus bereits vorhandenem Material, das immer wieder neu aufbereitet wird. Künstliche Intelligenz hilft dabei, schnell passende Bilder oder Videos zu finden. Wer selbst Journalist werden will, hat viele Wege: von der Journalistenschule bis hin zu praktischen Erfahrungen, zum Beispiel beim Lokalradio. Unser Fazit: Medien sind nicht nur das, was wir auf dem Bildschirm sehen. Dahinter steckt ein riesiges Team, modernste Technik und vor allem viel Engagement. Der Besuch hat uns gezeigt, wie spannend und vielfältig die Medienwelt ist.